Warum alternative Medien erfolgreicher sind als Mainstream-Medien

Gemessen an ihren finanziellen und logistischen Möglichkeiten sind die sogenannten „alternativen Medien“, meist Internetmedien, wesentlich erfolgreicher als die „Mainstream-Medien“. Doch warum haben die alternativen Medien mehr Zuspruch bei den Lesern?

Offenheit

Alternative Medien haben keine ideologischen Scheuklappen. Sie werden zwar meistens von Leuten betrieben, die eine klar zuordenbare Gesinnung vertreten (wie das ja auch bei den großen Mainstream-Medien der Fall ist), aber es können bei erfolgreichen alternativen Portalen Publizisten verschiedener Strömungen Texte veröffentlichen. Umgekehrt ist das nicht der Fall – ein „Identitärer“ würde nie vom „ORF“ eingeladen werden.

Unabhängigkeit

Alternative Medien haben keine solchen Abhängigkeiten. Der von Medienfachleuten noch immer gern zitierte italienische Marxist Antonio Gramsci ging davon aus, dass Herrschaft nicht allein durch bloßen Zwang erzeugt wird, sondern die Menschen würden überzeugt, dass sie „in der besten aller möglichen Welten“ leben würden. Nun mag der Leser die Verstrickungen der großen Leitmedien und Verlagshäuser zu international tätigen Konzernen, Netzwerken und „Think Tanks“ leugnen – dass die österreichischen Zeitungen einschlägigen Interessensgruppen zuzuordnen sind ist jedoch unstrittig. Die „Kronen-Zeitung“ bezeichnet den „Kurier“ als „Raiffeisen-Kurier“, andere nennen das „Profil“ auf Grund der redaktionellen Zusammensetzung „SPÖ-nahe“ und wiederum die drei großen Tageszeitungen „Österreich“, „Heute“ und „Krone“ bekommen jährlich Millionen an Inseraten der sogenannten öffentlichen Hand. Also von der Regierung und diesen zugehörigen „Vorfeldern“. In Österreich handelt es sich jährlich um etwa 200 Millionen Euro für die privaten Massenmedien. In diesem Sinne berichten sie natürlich auch eher selten regierungs-kritisch, sondern schießen bevorzugt gegen die Opposition. Oder glaubt jemand, dass die Familien Dichand oder Fellner die Regierung auch dann noch loben und schützen würden, wenn nicht Millionen an Inseraten von eben dort kommen würden?

Glaubwürdigkeit

Die Mainstream-Medien haben die Glaubwürdigkeit verloren. Am Montag Abend war im „ORF“, in der Sendung „Kulturmontag“, der Publizist Konrad Paul Liessmann eingeladen. Dieser ist Universitätsprofessor für „Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik“ an der Uni Wien, schreibt Gastbeiträge in den Zeitungen „Der Standard“, „Die Presse“ oder im „Profil“ und dürfte somit eher nicht im Verdacht stehen, ein „Rechtsextremer“ zu sein. Er vertrat die Meinung, dass der österreichische Mediennutzer die letzten Jahre „von moralischen Instanzen umzingelt“ war. Es hätte ständige Moralpredigten, Appelle und Aufrufe gegeben. Vielleicht, so meint der Professor, seien die einfachen Menschen mit zu viel Moral konfrontiert worden. An moralischen Imperativen hat es vielleicht wirklich nicht gemangelt, so Liessmann, aber es habe vielleicht an der Glaubwürdigkeit gelegen, diese moralischen Vorstellungen auch selbst zu vertreten. „Denn wenn solche Moralvorschläge von jenen kommen, die im Grunde nicht tangiert sind, die tatsächlich keine Sorge um den Arbeitsplatz haben, die von der Flüchtlingskrise nicht existenziell bedroht sind, die keine Abstiegsängste um ihre Kinder haben müssen, weil die ohnehin in Oxford oder Stanford studieren, dann wirkt das nicht sehr überzeugend.“ Wenn diese „moralischen Instanzen“, die offensichtlich in besseren Lebensverhältnissen leben wie die große Zahl ihrer Leser, dann auch noch entscheiden, welche Informationen „gesellschaftlich relevant sind“, wie dies „ARD“-Chefredakteur Kai Gniffke sagte, dann wenden sich die Leser und Seher immer mehr ab. Denn die Glaubwürdigkeit ging verloren. Ob alle alternativen Medien besser sind? Sie sind zumindest eine gute Ergänzung – es sollte in Zeiten wie diesen möglichst viele Portale mit unterschiedlichen Meinungen geben, um im Bedarfsfall alle Ansichten gegeneinander abzuwägen.

+++ Dieser Beitrag erschien zuerst als Gastkommentar auf dem Portal „Dahamist“. +++


Foto: SPÖ Presse und Kommunikation / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)